Ratgeber: Camping im Regen

9. Januar 2023

Camping im Regen drückt auf die Stimmung. Vor allem dann, wenn Besserung laut Wetterbericht nicht in Sicht ist. Regenwetter bedeutet aber nicht, dass der Urlaub auf dem Campingplatz ins Wasser fallen muss.
Ist häufiger Regen für die Zeit beim Camping angesagt, sollten schon bei der Vorbereitung ein paar Dinge beachtet werden. Das beginnt mit einem wasserdichten Zelt und reicht bis zur perfekten Ausrüstung, die jedem Regen widerstehen kann. Gibt es am Ende auch noch ein paar wichtige Varianten für den Notfall, dann kann Camping im Regen sogar zu einem besonderen Erlebnis werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine gute Vorbereitung macht Regenwetter beim Camping erträglicher.
  • Das Zelt muss wasserdicht, seine Nähte sollten verschweißt sein.
  • Kleidung ist wasserabweisend, besser noch wasserdicht auszuwählen.
  • In einem Notfall hilft eine trockene Reserve-Ausstattung weiter.

Zelt bereits vor der Reise testen

Ob das Zelt tatsächlich wasserdicht ist, muss vor dem Urlaub getestet werden. Die Dichtigkeit kann nachlassen, etwa durch Alter oder Schäden. Und selbst bei neuen Zelte können kleinere Fehler bei der Produktion dafür sorgen, dass Wasser eindringt.
Ein Test im heimischen Garten gibt Aufschluss darüber, ob am Zelt noch alles in Ordnung ist. Rasensprenger oder Gießkanne machen Schwachstellen am Zelt sichtbar.
Sind an den Wänden innen Wassertropfen zu sehen, musst das Zelt dort ausgebessert werden. Selbst die kleinsten Löcher und winzigsten Wassertropfen an der Zelthaut sind zu erkennen, wenn man mit Löschpapier an der Innenwand entlangfährt.

Zelthaut wasserdicht machen

Ein undichtes Zelt wird vor dem Campingurlaub behandelt. So werden tropfende Nähte mit einem Nahtdichter repariert. Bei Zelten mit einer Silikonbeschichtung sollte das zwingend ein Nahtdichter auf Basis von Silikon sein.
Auch kleine Löcher in der Zelthaut lassen sich ohne großen Aufwand mit dem Nahtdichter schließen. Sinnvoll ist es, auch während des Campingurlaubs eine Tube mitzuführen. So lassen sich kleine Beschädigungen schnell ausbessern.
Ältere Zelte müssen außerdem regelmäßig imprägniert werden. Sonst saugen sich die Wände bei Regen mit Wasser voll. Empfohlen ist ein jährliches Intervall.

Das richtige Zelt bei Regen

Optimal für Regenwetter ist ein Zelt mit mindestens 2.000 mm Wassersäule. Es sollte darüber hinaus über versiegelte Nähte verfügen. Doppelwandige Zelte schützen vor Kondenswasser. Bei feuchtem Wetter entsteht dieses Kondenswasser nämlich an der Innenseite der Zeltplane.
Eine Barriere für von unten eindringendes Wasser ist ein rundum geschlossener Zeltboden.
Ein Vorzelt ist ideal für das Trocknen feuchter Sachen und Gegenstände. Der Schlafplatz im Innern bleibt trocken.

Der optimale Platz für das Zelt

Das Zelt sollte niemals in einer Kuhle stehen. Denn selbst in kleinen Senken sammelt sich schon bei einem leichten Regen Wasser. Eine Anhöhe ist eine echte Alternative.
Auch Bäume empfehlen sich nicht, wenn Regen angesagt ist. In den Ästen und Zweigen bleibt das Wasser für längere Zeit hängen und kann noch ein paar Stunden später auf das Zelt fallen. Optimal ist eine Stelle, an der gleich nach dem Regen die Sonne wieder auf das Zelt scheint und es schnell wieder trocknet.
In Jahreszeiten, in denen öfter mit Regen zu rechnen ist, sollte das Zelt außerdem möglichst nahe an den Waschräumen und Toiletten aufgeschlagen werden.

Zelteingang ideal ausrichten

Der Zelteingang wird am besten zu der vom Wind abgewandten Seite ausgerichtet. Das minimiert deutlich die Menge an Regen, die beim Öffnen der Zelttür in das Zelt gelangen könnte.
In Deutschland kommt der Wind, wie oft üblich in Mitteleuropa, vorwiegend aus der westlichen Richtung. Der Zelteingang wird deshalb am besten nach Osten ausgerichtet.

Zelt gekonnt abspannen

Das Wasser darf sich nicht auf dem Zelt sammeln. Denn es hat ein hohes Gewicht. Ein Liter wiegt immerhin ein Kilogramm. Mit diesem Druck wird die Zelthaut auf Dauer nicht fertig. Sie nimmt Schaden.
Ist das Zelt richtig abgespannt, werden die durchhängenden Bereiche vermieden, in denen sich Wasser sammeln kann. Auf dem Außenzelt wird gleichzeitig Spannung erzeugt.
Empfohlene Technik: Die Abspannleinen von einem angenommen Mittelpunkt des Zeltes nach außen hinweg spannen.
Auch die Seitenwände am Zeltes müssen straff genug sein. Das Innenzelt darf nirgendwo das Außenzelt berühren. Sonst läuft Kondenswasser vom Außenzelt in das Innenzelt.

Innenzelt trocken halten

Im Innenzelt bewahren Camper die wichtigsten Teile ihrer Ausrüstung auf. Deshalb ist es sehr wichtig, dass in diesen Bereich keine feuchten Gegenstände gelangen.
Nasse Teile, wie etwa Schuhe und Regenkleidung, bleiben am besten im Außenzelt oder im Vorzelt. Das vermindert auch die Ablagerung von Kondenswasser an den Wänden im Innenzelt.
Kondenswasser entsteht auch dann nicht, wenn regelmäßig die Belüftungsklappen geöffnet werden. Denn dann zieht die warme und feuchte Luft nach außen ab.
Besonders wichtig ist das in der Zeit nach dem Sonnenuntergang. Dann ist es draußen kälter. Strömt warme Luft nach außen, findet ein gründlicher Luftaustausch statt.
Kondenswasser entsteht nämlich dann, wenn die warme und feuchte Innen-Luft auf die kühle Fläche der Zeltwand trifft. Ein Kondensat bildet sich auch am Boden. Das passiert immer dann, wenn der Untergrund kalt ist, auf dem das Zelt steht. Hier hilft nur, den Boden zusätzlich zu isolieren.
Deshalb bedeutet Wasser im Zelt nicht immer, dass dieses auch undicht ist. Manchmal genügt ein einfaches Lüften, am besten per Durchzug, um die Feuchtigkeit in der Luft zu senken.

Packliste für Camping im Regen

Die richtige Kleidung

Für den Komfort und die Gesundheit im Camping Urlaub ist trockene Kleidung enorm wichtig. Das gilt besonders dann, wenn Regenwetter angesagt ist.
Bekleidung aus Baumwolle ist bei überwiegend feuchtem Wetter eine schlechte Idee. Das Naturmaterial zieht sich extrem schnell mit Wasser voll. Dazu muss es noch nicht einmal regnen. Es reicht bereits eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit oder Schweiß. Darüber hinaus trocknet Kleidung aus Baumwolle nur sehr langsam.
Viel besser ist Kleidung aus Kunstfaser, wie etwa Polyester oder Nylon. Diese Fasern wiegen sehr wenig, sie nehmen Feuchtigkeit viel schwerer auf und trocknen im Gegenzug viel schneller.
Aus diesem Grund ist eine qualitativ hochwertige Kleidung für den Outdoor Bereich praktisch immer aus Kunstfasern gefertigt, die resistent gegen Wasser sind.

Wasserdichte Kleidung und Schuhe

Regenbekleidung muss atmungsaktiv und leicht sein. Bei kurzen Schauern sollte die Kleidung mindestens wasserabweisend sein. Bei einem starkem Regen dagegen ist wasserfeste Oberbekleidung ein Muss.
Bekleidung mit einer Wassersäule von mindestens 4.000 Millimeter sichert zuverlässig vor Regen. Alles, was sich unter dieser Zahl bewegt, reicht bei einem anhaltenden Regenguss nicht aus, um den Körper zuverlässig zu schützen.
Die Atmungsaktivität sollte bei mehr als 4.000 MVTR liegen. Die Abkürzung MVTR steht für „Moisture Vapor Transmission Rate“. Das heißt auf Deutsch: Wasserdampfdurchlässigkeit. Die Maßeinheit lautet g/m²/24h (Gramm pro Quadratmeter pro 24 Stunden).
Um die Wasserdampfdurchlässigkeit zu ermitteln, wird gemessen, wie viel Gramm Dampf auf einen Quadratmeter Stoff in einer Zeit von 24 Stunden entweicht.
Je höher der MVTR Wert eines Kleidungsstücks ist, desto atmungsaktiver ist es.
Regenbekleidung muss verschweißte Nähte, Manschetten am Handgelenk sowie eine verstellbare Kapuze haben.
Unter der Regenkleidung sollte keine Kleidung aus Baumwolle getragen werden. Sie nimmt die Feuchtigkeit der Haut auf, statt diese weiter nach außen zu leiten.

Der perfekte Schlafsack

Ein Schlafsack aus Daunen überzeugt mit einem geringen Gewicht und einer hervorragenden Isolation der Wärme. Für das Zelten in überwiegend feuchten Gegenden oder Zeiten eignet er sich aber nicht besonders gut. Denn Daune klumpt, wenn sie nass wird.
Kunstfaser dagegen trocknet ausgesprochen schnell. Bei hoher Luftfeuchtigkeit sind Schlafsäcke aus diesen Fasern ideal. Denn da sie nicht klumpen, bleibt ihre Isolation erhalten, selbst wenn sie einmal nass werden sollten.
Einen zusätzlichen Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit bietet ein Biwaksack. Er wird über den Schlafsack gezogen und bildet so eine zusätzliche isolierende Schicht.
Dieser Biwaksack muss aber atmungsaktiv sein. Sonst bildet sich innen unter Umständen das gefürchtete Kondenswasser.

Schnell trocknende Handtücher

Ein Handtuch aus Mikrofaser nimmt Feuchtigkeit gut auf. Es wiegt 50 Prozent weniger als ein Handtuch aus Baumwolle und trocknet auch schneller.

Diverse Plastikbeutel

Große Müllsäcke aus Plastik halten Rucksack und anderes Gepäck trocken, selbst wenn man damit durch den Regen läuft.
In mittelgroßen Plastikbeuteln werden nasse Schuhe und Kleidungsstücke gelagert. Dann bleibt alles andere trocken.
In ein paar Notfall-Beutel aus Plastik gehören neben trockener Reservekleidung, Medikamenten und empfindlicher Elektronik auch Lebensmittel. Dazu kommt noch die Ausrüstung, die unter keinen Umständen nass werden darf.

Wasserdichte Packsäcke

Packsäcke sind ein hochwertiger Ersatz für diverse Plastiktüten. Sie sind ultraleicht und können mit Clips und Riemen gut und sicher verschlossen werden.
Ein weiterer Vorteil: Die Beutel sind aus mit PU beschichteten Polyester gewebt. Das macht sie robust und für lange Zeit wiederverwendbar. Das macht sie umweltfreundlicher als die herkömmlichen Tüten aus Plastik.

Extra starke Zeltheringe

Bei starkem Regen weicht der Boden rund um das Zelt auf. Deshalb finden dort die herkömmlichen Standard-Zeltheringe kaum noch Halt.

Farbige Extra-Zeltheringe

Eine Signalfarbe, wie etwa Rot, macht es leichter, die Heringe in einem matschigen Boden schnell wiederzufinden.

Groundsheet zum Schutz

Groundsheets am Boden verhindern, dass der Zeltboden durch spitze Steine und Äste beschädigt wird und durch kleine Löcher im Boden das Wasser in das Zelt dringt. Gleichzeitig isoliert der Groundsheet den Boden am Zelt gegen Kälte.
Der Groundsheet muss in etwa so groß sein wie der Zeltboden. Teile des Sheets sollten nicht unter dem Zelt herausschauen. Sonst sammelt sich auf der Bodenplane unter dem Zelt das Regenwasser an. Deshalb werden die überstehenden Ecken am Sheet umgeklappt und unter dem Zelt verstaut.
Ein Groundsheet erlaubt es auch, das Zelt nach dem Regen einfacher von Schlamm zu reinigen.

Gute Beleuchtung

Camping-Laternen und Stirnlampen spenden Licht. Ein angenehmes Ambiente entsteht durch gut platzierte LED-Lichterketten im Zelt oder am Pavillon.

Nahtdichter und Imprägnierspray

Ein gutes Imprägnierspray hilft dabei, Teile am Zelt, die Schuhe oder andere Kleidungsstücke nachzubehandeln, falls die wasserabweisende Wirkung einer früheren Behandlung nachlässt.
Ein häufiger Schaden am Zelt nach einem Sturm: Der Wind zerrt kräftig und eine der Nähte wird undicht.
Dann muss diese Naht mit Nahtdichter abgedichtet werden. Danach ist das Zelt an dieser Stelle wieder so wasserdicht wie zuvor.

Stabile Seile

Stabile Seile werden als Reserve gebraucht, wenn zum Beispiel im Wind eine Abspannleine am Zelt reißt. Im Vorzelt hilft ein Seil als improvisierte Wäscheleine beim Trocknen der Kleidung. Einige Zelte haben dazu sogar Ausrüstungs-Schlaufen an ihrem Dach. Dort werden Seil oder Leine befestigt.

Weicher Teppich für das Vorzelt

Ein Vorzeltteppich lohnt sich auch, wenn das Vorzelt einen Boden hat. Denn er isoliert zusätzlich, ist also warm und schützt so vor Kontakt mit dem kalten Zeltboden.
Ein guter Vorzeltteppich sollte außerdem atmungsaktiv sein, damit der Boden darunter nicht stockt und sich unangenehme Gerüche bilden.
Am besten ist der Teppich auch noch wasser- und schmutzabweisend, wobei sich das Hereintragen von kleineren Mengen Schlamm oder Wasser in das Zelt kaum vermeiden lassen. Sie sind aber kein Problem.

Warme Decken

Ein paar warme Decken machen trübe, kalte und nasse Tage und Nächte viel angenehmer. Mit einer auf dem Boden des Zeltes ausgelegten Decke wird dieser noch einmal zusätzlich isoliert und strahlt keine Kälte ab.

Windfeste Gasbrenner

Um den Gaskocher bei Feuchtigkeit anzünden zu können, bedarf es zuverlässige Hilfsmittel. Ein starkes Gasfeuerzeug oder ein kleiner Gasbrenner haben sich schon oft bei Regen und Wind bewährt. Sie funktionieren sogar bei hoher Feuchtigkeit und bei starkem Zug oder Wind.

Pavillon für Gruppen-Camper

Ein Pavillon schützt vor allem Camper, die in Gruppen und mit mehreren Zelten im Regen campen. Das Schutzdach wird über den Zelten aufgerichtet und erlaubt so viel Bewegungsfreiheit. Darunter können auch Tische und Campingstühle aufgestellt werden.
Ein idealer Pavillon verfügt über herausnehmbare Wände. Sie schützen vor seitlichem Regen. Als Schutz gegen Wind sollte der Pavillon mit robusten Stangen aus Fiberglas oder Stahl ausgestattet sein. Herkömmliche Faltpavillons aus Aluminium sind dagegen vorzugsweise für schönes Wetter geeignet.

Fazit

Mit der passenden Ausrüstung ist Camping im Regen keine besondere Herausforderung. Allerdings muss ein solcher Campingurlaub präzise vorbereitet werden. Das beginnt bei der sorgfältigen Auswahl von Zelt und Zubehör. Auch die persönliche Ausrüstung, wie Kleidung oder Schuhe sollte mindestens wasserabweisend, am besten sogar wasserdicht sein.
Alle Gegenstände, wie Elektronik oder Dokumente sollten so verstaut werden, dass sie vor Regenwasser geschützt sind. Nicht zuletzt bewahrt auch ein gut gewählter Standplatz für das Zelt vor unangenehmen Überraschungen.

Jenny